Baseball - Eine anspruchsvolle Sportart auf dem Weg nach oben

von Martin Miller
80 Seiten
1998


Hinter dem zugegeben nicht gerade einfallsreichen und keinesfalls mitreissenden Titel verbirgt sich jedoch keines dieser 08/15-Baseball-Buch für den deutschen Markt, in dem auf teils stupide Art die Regeln und die Historie des Sports in Deutschland wiedergegeben werden, sondern eine gelungene Chronik über den deutschen Baseball bis etwa 1998. Autor ist niemand geringerer als SSC-Gründungsmitglied Martin Miller, seines Zeichens ehemaliger DBV-Präsident, der den Posten an der Spitze des Deutschen Baseball und Softball Verbandes von 1988 bis Anfang 2001 inne hatte.

In der Chronik des detschen Baseball sieht Miller gleichbedeutend die Entwicklung des DBV. Das Buch unterteilt sich deshalb in vier große Kapitel.

In der Einleitung wird grob der Beginn des aktiven Baseball in Deutschland Anfang der 50er Jahre aufgezeigt, eine Ära, die so schnell starb wie sie begann. Kurios: Das erste Baseballspiel auf deutschem Boden fand schon 1936 statt, im Rahmen der Olympischen Spiele in Berlin bestritten zwei US-Teams ein Demonstrationsspiel vor mehr als 100.000 Zuschauer. Doch dabei blieb es bis zum kurzen Aufleben in der Nachkriegszeit aufgrund der amerikanischen GIs. In den 70er Jahren verblieb nur mehr ein Baseball-Club (die Mannheim Tornados) in ganz Deutschland. Warum aber kam es Mitte der 80er Jahre zur Wiedergeburt des Baseballs? Miller versucht dies ohne Umschweife zu erklären. Einerseits war es der Drang vieler Jugendlichen zu neuen Sportarten - u. a. aufgrund der eingerosteten, vereinsmeierhaften Strukturen in den etablierten Sportarten - , andererseits die von Austauschschülern/-studenten "importierte" Faszination Baseball aus den Staaten.
Auch übersieht Miller nicht die wichtigste Keimzelle, nämlich die Mannheimer Baseballszene, allen voran drei Personen - Roland Hoffmann, Claus Helmig und Norbert Jäger.

Kapitel 2 beginnt mit dem Generationswechsel an der Spitze des DBV. Was war passiert? Viele Vereine spriesten aus dem Boden, der Verband beagnn zu wachsen und die Anforderungen stiegen. Als aber die Mannheimer Vereine Amigos (Helmig) und Tornados (Jäger) ihren Konflikt auf dem Platz mit den Fäusten lösen wollten, trat die DBV-Führung an Martin Miller und Frank Beuler (ebenfalls Ingolstädter Gründungsmitglied) heran, mit der Bitte den Laden zu übernehmen. Die Wahl im November 1988 war Formsache und von da an residierte die Geschäftsstelle des DBV in einem Büroraum einer Versicherung in Ingolstadt. Miller und Beuler machten sich sofort daran den wachsenden Verband fit zu machen: Aufnahme in den DSB, erfolgreiche Organisation der B-EM in Ladenburg 1992, Umzug 1993 in größere Büroräume in Mainz, Aufnahme in die Sportförderung, Bewältigung mehrere Rückschläge (Eskalation des Mannheimer Konflikts, Personalprobleme).

Im dritten Abschnitt werden die Entwicklungen von 1995 bis 1997 beleuchtet. So z. B. der wachsende Einfluß der MLBI (Major League Baseball International), die Rolle des Softballs, Entwicklung von Marketingkonzepten, Verbandsstruktur. Im Laufe des Kapitels kommt Miller immer wieder auf die wichtigsten Punkte im dt. Baseball zu sprechen: die fehlenden Spielstätten, Förderung der Nachwuchsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit.

"Perspektive" heißt das letzte Kapitel und beschäftigt sich demnach mit einer Vorschau. Miller unterstreicht dabei die großen Möglichkeiten des Baseballs, nämlich als "breitensportliche Rasensportalternative" Massen zu ziehen. Drei besondere Faktoren nennt Miller, die Baseball seiner Meinung nach schnell populär werden lassen sollte: Grundtechniken sind leicht erlernbar, Spielidee auf jeder eben Fläche umsetzbar, Ausübung erfordert wenig Utensilien.

Fazit: Interessante Erkenntnisse - vor allem aus der Gründerzeit - liefert das Buch jede Menge. Doch jeder der wenig für Verbands- und Vereinswesen übrig hat, wird kaum froh werden mit dem Buch, beschäftigt es sich doch teilweise mit bürokratischen Problemen wie die langwierige Aufnahme in den DSB oder die Personalplanungen. Wer jedoch ein wenig über den deutschen Baseball wissen möchte, wird an diesem Buch seine Freude haben. Der Mannheimer Konflikt zwischen Helmig/Amigos und Tornados/Jäger wird kurz angeschnitten, so auch die Ladenburger B-EM oder die Anfänge des DBV, maßgeblich vorangetrieben durch die beiden Schanzer Martin Miller und Frank Beuler.
Auf jeden Fall eine sinnvolle Anschaffung und eine kurzweilige Angelegenheit.

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