You´re out and you´re ugly, too!

von Durwood Merrill
299 Seiten
(engl.)
1998


Wie sollte man sich den Autor und Major-League-Umpire des Buches, Durwood Merrill, vorstellen? Reggie Jackson - seines Zeichens begnadeter Baseballspieler - nennt ihn "the Reggie Jackson of umpires", Ken Griffey Jr. lobpreist ihn in seinem Vorwort ihn höchsten Tönen nicht nur als guten Umpire, sondern auch als Spaßvogel und großartigem Wohltäter für die Allgemeinheit.

Durwood Merrill umpt seit 1977 in der American League, und hat sich erst vor kurzem aus seinem Job zurückgezogen. In seinem Buch "You´re out and you´re ugly, too!" beschreibt er wie zum Schiedsrichter-Job gekommen ist, aus welcher Familie er kommt, welche Ansichten er vom modernen Baseball hat und vieles mehr...

Was aber in der ganzen Biographie nicht zu kurz kommt, ist der Humor, die kleinen Anekdoten aus seiner Umpire-Karriere. Zum Beispiel beschreibt er umfassend seine Beziehungen zu einigen berühmten Managern wie Sparky Anderson, Lou Piniella, Tony LaRussa, Tommy Lasorda, Earl Weaver, Billy Martin, Ralph Houk und Bobby Valentine. So ziemlich jeden der genannten hat Merrill schon mal frühzeitig zum Duschen geschickt. Dabei werden unzählige Original-Dialoge geliefert, durch die man endlich mal einen genaueren Einblick bekommt, was zwischen Umpire und Manager tatsächlich abläuft.

Im weiteren geht Merrill noch auf viele andere Situationen aus seiner langen Karriere als Umpire ein, so z. B. wie sie im Winter Ball als blutjunge Umpire durchs Stahlbad Puerto Rico gehen mussten, wo die Zuschauern mit Messern und Pistolen nach dem Spiel auf die Umpire warten oder wie er das zweite Spiel eines Doubleheaders in Chicago absagen musste, weil durch eine 70er-Jahre Disco-Musik-Platten-Verbrenn-Aktion wilde Horden von Rockern das Spielfeld sturzbetrunken nicht mehr das Feld verlassen wollten.

Merrill wandert dabei ohne festen Handlungsstrang von Kapitel zu Kapitel. Einmal spricht er über sein gutes Verhältnis zu Spielern wie Nolan Ryan, Ken Griffey Jr, Reggie Jackson, im nächsten Moment schreibt er über seine Kindheit in Texas, als ein Tornado die Ranch seiner Familie weggefegt hatte, dann springt er zum Thema "Was würde ich verändern, wenn ich Commissioner der MLB wäre." Später schreibt er dann mal über seine Ansichten über den Job eines Umpires, was dieser zu tun und zu lassen, wie seine Strike Zone aussehen sollte. Dann wiederum erzählt er von seiner Boot-Camp-artigen Ausbildung zum Umpire, schon ist er aber auch schon bei der Schilderung der Umstände, warum sein sehr geschätzter Umpire-Kollege Steve Palmero im Rolstuhl sitzt, um im nächsten Moment wieder über die besten Pitcher zu sinnieren, die er umpen durfte.

Wie man erkennt ein sehr abwechslungsreiches Buch, dass mehr als nur die aufgezählten Themen behandelt. Dabei belässt es Merrill bei einer sehr einfachen, durch ein paar umgangssprachlichen Wörtern, aber für Nicht-Muttersprachler etwas schwierigeren Sprache.

Am Ende des Buches widmet sich Durwood Merrill seiner mittlerweile sehr populären Wohltätigkeitsorganisation, mit der er in seiner ländlichen und deshalb ärmlichen Herkunftsgegend versucht den Familien mit Problemen zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Die ein oder andere Geschichte aus seiner langjährigen ehrenamtlichen Arbeit macht das Buch am Ende noch lesenswerter als es ohne auch wäre.

Fazit: Das Buch liefert einen sehr guten Einblick in das Leben eines MLB-Umpires. Merrill mag zwar nicht der Prototyp eines Umpires sein, dafür lässt er all zu oft seine witzige Seite raushängen, aber die Erkenntnisse sind interessant. Also ein empfehlenswertes Buch, vor allem für Umpire, aber auch für jeden anderen Baseball-Begeisterten. Nur ab und zu wirds ein wenig undurchsichtig, denn in Amerika mag der genannte Name eines Umpire-Kollegen oder Commissioner geläufig sein, in Deutschland aber eher nicht.

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