Nach der Hiobsbotschaft für Trainer Ernst Nötiger, daß die schlaggewaltigen Spieler Stefan Pößl und Peer Schmoll das Team verlassen und damit die Stützen seiner legendären 'Hau drauf und Schluß'-Taktik in dieser Saison fehlen, rauchten in den Wintermonaten im Hauptquartier der Schanzer Baseballer gewaltig die Köpfe. Am Ende stand eine für die Baseballwelt erschütternde, neue und zugleich bahnbrechende Erkenntnis:"The show must go on!"
Mit dieser Einstellung rafften sich die Mannen um Ernst Nötiger auf und beendeten ihren Winterschlaf, um nahtlos in die Frühjahrsmüdigkeit überzugehen. Doch nachdem jetzt zu Saisonbeginn die Zeichen auf Sturm stehen, jener Sturm, der auch die Vorbereitungsphase des SSC verwehte, stürzte sich die Mannschaft in nimmer endende Trainingseinheiten, um die Meinung der größten Pessimisten nicht schon zu Saisonbeginn zu bestätigen.
Doch viele Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt für die Fangemeinde noch unbeantwortet:
Wie wird das Wetter am Sonntag? Kostet die Halbe Bier in der Vereinsgaststätte immer noch 3,50DM? Wieviele Tage hat das Jahr 1992? Wird der SSC in dieser Saison die Zuschauerzahl der Landesgartenschau übertreffen? Und was verdammt nochmal ist eigentlich Baseball?Der Vorstand des SSC verhandelt mit dem italienischen Startrainer Anton Trapat auch bekannt unter seinem bayerischen Namen 'da Trapattoni'.
Ein Spiel für 2 bis 4 Mitspileer im Lter von 3-99. Gespielt wird auf einem mit weißen Linien auf roten Sand gezeichnete rechteckigen Platz. In der Mitte befindet sich ein Netz, das unbegreiflicherweise niedrig fliegende Bälle abfangen soll. Die Spieler sind meist weiß gekleidet und gleichmäßig über das Spielfeld verteilt. Der Schiedsrichter thront als alleiniger Herrscher auf einem Hochsitz zwei Meter über dem Boden. Seine Zählweise ist recht eigenartig und konnte von der Redaktion noch nicht entschlüsselt werden. Ziel des Spieles ist es wahrscheinlich in das Feld zu schlagen. Dies versuchendie Spieler mit exotisch geformten Schlägern, die an den Fischfang erinnern. Der Ball ist rund, gelb und verfilzt. Das Spiel beginnt damit, daß sich einer der Schläger den Ball selbst zuwirft. Nach noch unbestätigten Meldungen gibt es auch schon mehrere Idealisten, die diesen Sort berufsmäßig betreiben. Ob sich dieser neue Sport in unserem Lande durchsetzt, wir wohl die Zukunft zeigen.
Seit einer Woche gibt es auch im Baseballsport einen bisher nur aus dem Springreiten bekannten Fachbegriff: 'Die Verweigerung'. Olli Förster hat sich geweigert nach einem Hit by Pitch aufs 1. Base zu gehen. Er beschwor den Umpire so lange ihn weiter schlagen zu lassen, bis sich dieser endlich erweichen ließ und ihm eine neue Chance auf ein weiteres Strikeout gab, was dieser mit der für ihn an diesem Tag unvergleichlichen Perfektion auch schaffte.
Nach intensiver Vorbereitung, die Mannschaft hat sich noch nie komplett gesehen und hat sage und schreibe kein einziges Trainingsspiel absolviert, ist man voller Optimismus.Es werfen sich zwar noch einige Fragen auf, wie zum Beispiel : Wird es dem Trainer Reiner v. Großmann gelingen 9 Spieler auf das Feld zu bringen ? Kann es sein, daß Peer Schmoll auf der Pitcherposition spielt ? Ist der Name des Catchers Roland Kist ? Wer spielt überhaupt ? Und auf welcher Position ? Ist der Ball auch in der Bezirksliga rund ? Viele Fragen und nur einer kennt die Antwort : Reiner v. Großmann, der Coach.Beabsichtigt er etwa mit dieser Verdunkelungstaktik den überaus als stark einzuschätzenden Gegner aus Regensburg zu verwirren ? Man weiß es nicht !
Drama in 3 Akten von Johann Reiner vom Outfield
1. Akt. 1. Aufzug. 3. Stock 2. Türe von links
Eine finstere Gestalt verläßt den Raum. Eine schwere Eichentür fällt knarrend ins Schloß.
1. Akt. 2. Abzug Erdgeschoß
Muffig verläßt die Gestalt das Haus und betritt das sonnendurchflutete, von Nebelschwaden überzogene Ingolstädter Stadtbild. (Hintergrund 'Überschwemmte Donaubühne'). Die unheimliche Person gestikuliert einem Autofahrer, der ihn daraufhin wortlos einsteigen läßt.
(Auto verschwindet im Dunst der Donau)
2. Akt 1. Zug 2. Kohorte 3. Manipel
(Bühnenaufbau: TV-Hartplatz, Roter Sand wird durch böigen NW-Wind aufgewirbelt)
Zur Alphornmusiklaut singend stürmen 20 Allgäuer die Bühne. Es handelt sich dabei, nach längerem Hinsehen, um die Füssen Royal Bavarians (Hintergrundmusik: Königsjodler), eine Baseballmannschaft (Hintergrundmusik: Take me out to the ballgame) aus dem Südosten Bayerns, auch Allgäu genannt (jetzt wieder Königsjodler). Der letztjährige Fünfte der Baseball-Bayernliga (Musik: Gott mit dir, du Land der Bayern) besetzt mit schnellen wuchtigen Schritten die strategisch wichtigen Stellen der Bühne, die da heißen: 1st Base, 2nd Base, 3rd Base, Ersatzbank. Mit gespannter Miene erwarten die Spieler ihren Gegner.
3. Akt 1. Mann 2. Mann 3. Mann ............................. Zuschauer
Nach und nach eine voller Begeisterung lachende Schar junger Ingolstädter Menschen ein. Auch nach längerem Hinsehen erkennt sie der Zuschauer nicht. Ist es vielleicht die Fußballmannschaft des MTV (Music Television) oder die Freizeit-Hallenhalmaspieler des HVI (Halma Verein Ingolstadt)?
Nein, es ist die Baseballmannschft des SSC Ingolstadt ...